Shirakawago

Iwami Ginzan


Die Weltkulturerbestätte Shirakawago ist ein tief in den Bergen der Präfektur Gifu eingebettetes Dorf, das in jedem Winter starken Schneefällen ausgesetzt ist. Die Architektur der Häuser mit ihren weit herabgezogenen, steilen Strohdächern, die der Schneelast trotzen, und der Lebensstil der kleinen Gemeinschaft, die ihr Fortbestehen eben der stetigen Pflege jener einzigarten Bauweise verdankt, erfahren eine hohe Wertschätzung und wurden in der Folge zum Weltkulturerbe erhoben.



Ein anderes Beispiel einer japanischen Welterbestätte ist die Iwami-Ginzan-Silbermine (Iwami Ginzan Silver Mine) in der Präfektur Shimane. Hier befand sich das größte Silberminenareal in Japan, in dem während der Edo-Zeit so viel Silber gewonnen wurde wie nirgends sonst auf der Welt. Über die Jahrhunderte betrieb man in diesen Bergen den Abbau von Silber und Kupfer auf eine so nachhaltige Weise, dass die natürliche Umgebung dadurch nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. In Anerkennung dieser besonderen Leistung wurde der Region der Titel der Weltindustrieerbestätte verliehen.


Beide Welterbestätten befinden sich in extrem entlegenen Regionen, doch handelt es sich keinesfalls um ausgestorbene, verfallene Orte, sondern im Gegenteil um dynamische, lebendige Dörfer, deren Bewohner wie eh und je ihren Alltagsgeschäften nachgehen. Hierfür gibt es einen ganz einfachen Grund: Die Einheimischen lieben ihr Dorf und die Natur, die es umgibt, und haben beides von jeher mit großer Hingabe gepflegt und bewahrt. Wer eines dieser Dörfer besucht, wird dieser Feststellung unumwunden zustimmen. Wie steht es dann aber um die vielen anderen Dörfer und Städte im Lande, die ihre Reize verloren haben, indem man die alten Gebäude durch moderne Architektur ersetzte? Haben die Menschen dort etwa keine Beziehung zu ihrem Lebensraum? Natürlich haben sie das. In jedem Dorf, in jeder Stadt leben Menschen, die ihren Wohnort lieben. Warum aber stechen diese beiden Dörfer als Orte heraus, an denen noch heute die Menschen ein erfülltes Leben führen, obwohl sich die Gegend noch immer so präsentiert wie vor Jahrhunderten?  

Tatsächlich sind die Gründe dafür, weshalb es möglich war, diese beiden Dörfer in unveränderter Weise aufrechtzuerhalten, sehr verschieden. 

Beginnen wir mit Shirakawago. Hier gibt es eine Nachbarschaftshilfe-Organisation namens “Yui”, die sicherstellt, dass das gesamte Dorf beim Erhalt der großen Strohdächer zusammenhält, deren Instandhaltung eine einzelne Familie gar nicht leisten könnte. Die Architektur in Shirakawago wurde eigens entwickelt, um dem starken Schneefall in dieser Gegend standzuhalten, und so wurde auch ein gesellschaftliches System eingerichtet, um diese Architektur zu pflegen, ohne die Dorfgemeinschaft zu sehr zu belasten. Diesem Konzept verdankt das Dorf seine noch immer intakte und dynamische Struktur.  Hätte man stattdessen ein Fachunternehmen für die Dächer beauftragt, so wäre der Erhalt der Dorfgemeinschaft fraglich gewesen, denn die Instandhaltung wäre von der Finanzlage sowohl des Unternehmens als auch der einzelnen Dorfbewohner abhängig. So ist es nicht ein kapitalistisches, sondern ein sozialistisches System, das den Fortbestand von Shirakawago sichert.

Die einst berühmte Silberbergbauregion Iwami Ginzan war zu jener Zeit ähnlich wohlhabend wie manche Städte in den Vereingten Staaten zu Beginn des Goldrauschs in der Mitte des 19. Jahrhunderts. So gab es damals auch in dem Bergdorf Iwami Ginzan eine Bank und ein Gerichtsgebäude. Und noch früher, in der Edo-Zeit, als die Gesellschaftsordnung üblicherweise strikt am sozialen Status ausgerichtet war, standen die Häuser der Samurai und der Kaufleute Seite an Seite und beide Gruppen in engem Austausch miteinander. Dies belegt, dass dort kapitalistisch orientierte Konzepte von Recht und Wirtschaft für ein ausgewogenes System sorgten. Dies ist auch der Grund, weshalb nach der Schließung der Silbermine 1923 das Dorf nicht aufgegeben wurde und bis heute als eine Siedlung existiert, die die Menschen bewusst als Wohn- und Arbeitsort wählen. So findet man dort die Firmenzentralen von Nakamura Brace, einem weltbekannten Hersteller von Gliedmaßenprothesen, und der Iwami Ginzan Seikatsu Bunka Kenkyusho Corporation, die handgemachte Bekleidung und Haushaltswaren mittels traditioneller japanischer Handwerkstechniken fertigt und verkauft. Für junge Menschen gibt es ein breitgefächertes Arbeitsangebot, das sich nicht auf Landwirtschaft und Tourismus beschränkt, sodass man eine vielfältige Dorfgemeinschaft vorfindet.

In der Ortschaft Omori von Iwami Ginzan sind das oben erwähnte Gerichtsgebäude und das Stadtbild mit den benachbarten Wohnhäusern der Samurai und Kaufleute erhalten geblieben. An der Hauptstraße stehen mehrere Häuser, die zu Pensionen umgestaltet wurden und dem Gast den einzigartigen Lebensstil und die lokale Küche nahebringen. Von Matsue aus sind es nur 90 Minuten, daher sollten Sie die Gelegenheit Ihres Aufenthalts in San’in unbedingt zu einem Abstecher in diese besondere und bezaubernde Region nutzen!

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