Yokozuna

Izumo


Yokozuna und Izumo Taisha

In Japan werden Ihnen sicherlich die Stroh- oder Hanfseile auffallen, die an Schreintoren, Eingängen zu historischen Ruinen, an Wasserfällen, großen Bäumen oder um Felsblöcke herum festgebunden sind. Diese Seile weisen darauf hin, dass hinter ihnen oder innerhalb der markierten Fläche ein Bereich der Götter liegt. Für Japaner bedeutet dies, dass sie an solchen Orten ernst sein müssen und niemals herumlungern dürfen.

Die gleiche Bedeutung ist dem yokozuna zugeordnet – dem Rang des Großmeisters in der Welt des Sumo. Im Altjapanischen bezeichnete “Yokozuna” ein weißes Hanfseil. Die Ursprünge des Sumo stammen von einer festlichen Veranstaltung, bei der sich Menschen und Götter eine Kraftprobe lieferten, indem sie den anderen wegzudrängen versuchten. Bis ins Mittelalter traten Menschen bei Sumo-Wettbewerben gegeneinander an, um den Sieger zu ermitteln. Dieser musste dann in einer Kraftprobe gegen die Götter antreten. Zu jener Zeit wurde der Wettbewerb mit einer Aufführung beendet, bei der der Kämpfer unterschiedslos verlor, da sein Gegner ein Gott und somit unsichtbar war. Während der Edo-Zeit, mit dem Auftauchen eines Sumo-Ringers, der Jahr für Jahr den Sieg davontrug, wurde ein neuer Status für den Yokozuna festgelegt, wonach er auf eine Stufe an die Seite der Götter gehoben wurde. Noch heute dürfen nur die Yokozuna ein dickes weißes Hanfseil um den Bauch tragen. Und so wie die Seile in den Schreinen dient das Seil eines Yokozuna als ein Hinweis, der besagt, dass das, was sich innerhalb des Seiles befindet, ein Bereich der Götter ist. Heutzutage tragen die Yokozuna Kämpfe mit anderen Sumo-Ringern aus, um Sieger und Verlierer zu ermitteln. Wenn jedoch ein Ringer einmal den Status eines Yokozuna erlangt hat, behält er diesen Rang, bis er selber entscheidet, sich aus dem Sumo zurückzuziehen, denn da er ein Mensch mit dem Status an der Seite der Götter ist, kann keine andere Person eine solche Entscheidung treffen. Auch werden die Worte und Taten eines Yokozuna sehr streng bewertet, weil man von ihm ein Verhalten erwartet, das jemandem an der Seite der Götter gerecht wird.

Die Seile, die man an oder in den Schreinen findet, heißen shimenawa. Das größte shimenawa in Japan hängt von einem Schrein in der Anlage von Izumo Taisha herab (obwohl dieser Name allgemein geläufig ist, lautet der offizielle Name “Izumo Oyashiro”). Es heißt, dass sich alle Götter im zehnten Monat des alten japanischen Kalenders – d.h. für gewöhnlich im November – hier in Izumo Taisha versammeln. Der Yokozuna aller shimenawa ist folglich das einzig angemessene Seil für einen solchen Ort, und man kann es hier aus nächster Nähe bestaunen. Es ist 14 Meter lang, bei einem Gewicht von 5 Tonnen. Alle paar Jahre wird es durch ein neues ersetzt, zuletzt im Sommer 2018. Dieses gewaltige shimenawa wird von den Einheimischen mittels traditioneller Verfahren hergestellt, denn die Japaner messen dem Knüpfen und Festbinden eines Seils eine große mystische Bedeutung bei. Wenn Sie möchten, können Sie anhand derselben Methoden wie in Izumo Taisha Ihr eigenes (natürlich wesentlich kleineres) shimenawa herstellen. Bringen Sie es an einer Stelle an, die andere nicht betreten sollen oder die ihnen besonders wichtig ist – möglicherweise erzielen Sie damit eine verblüffende Wirkung. Vorheriges Ausprobieren wird aber empfohlen! 

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